Sébastien Guex, Chantal Lafontant, Jacqueline Milliet (Hg.)

Arbeitslosigkeit – Le chômage

Traverse 1996/2

Traverse. Zeitschrift für Geschichte – Revue d'histoire. Erscheint dreimal pro Jahr. Abopreis CHF 75.00 / EUR 60.00 ISSN 1420-4355, Band 1996
1996. 181 S. Br. CHF 25.00 / EUR 17.40
ISBN 978-3-905315-08-0

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Zusammenfassung

.c1.Arbeitslosigkeit;
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.c1.In der Schweiz sind heute alle von der Arbeitslosigkeit betroffen. Seit über vier Jahren erlebt man sie an Ort und Stelle und nicht mehr als «Exportartikel», wie das etwa zu Beginn der Krise in den 70er Jahren der Fall war. Die Erscheinung ist neu, denkt man an das unvermittelte Ansteigen der Arbeitslosenquote (4,3% im Dezember 1995 gemäss der Statistik des Bundesamtes für Industrie Gewerbe und Arbeit) oder an die Einrichtung der obligatorischen Arbeitslosenversicherung (AVIG), über die 1976 abgestimmt und die 1982 von National- und Ständerat verabschiedet wurde.;
.c1.Von den Vagabunden, die im vergangenen Jahrhundert durch Arbeit sesshaft und «zahm» gemacht werden sollten, bis hin zu den heutigen Arbeitslosen und Ausgesteuerten, die eigentlich gegen ihren Willen für die Privatwirtschaft vorrätig gehalten werden, scheint immer die gleiche Logik am Werke zu sein: Der «Rückkehr zum wilden Leben» jener Arbeitskräfte, deren Domestikation nicht mehr durch die Arbeitsroutine im Berufsalltag gesichert ist, soll vorgebeugt werden. Es handelte sich also genau um jenes Angebot, das die Gewerkschaften bereits vor 100 Jahren gegen eine sichere Arbeitsstelle oder Entschädigungszahlungen machten und das durch den «Ford-Pakt» bestätigt werden sollte.;
.c1.Die «wirkliche» Frage der «echten» Arbeitslosen im gegenwärtigen Kontext der grundsätzlichen Infragestellung dieses Paktes lautet auch für die Verantwortlichen in der Wirtschaft gleich: Wie kann man den einzigen Teil des Ford-Erbes erhalten, der in ihren Augen etwas wert ist und der aus einer gesitteten, ausgebildeten und gezähmten Arbeitskraft besteht? Und wie kann man diesen Bereich auf ein Ausmass reduzieren, das sich mit den Vorstellungen des Managements vereinbaren lässt, wonach die Wirtschaft nur mit einem Teil des menschlichen Potentials funktioniert? Auf dem zu erwartenden weiten Brachland ist nicht jegliche Kontrolle ausgeschlossen: Sie könnte dem Staat oder den Gewerkschaften in Form von «Chomâgisten» überlassen werden. Unter diesem Neologismus versteht man die sozioprofessionelle Kategorie jener Personen, die sich mit der Arbeitslosigkeit und den Arbeitslosen beschäftigen.;
.c1.Der Antwort auf diese Fragen scheinen die Zahlen zuvorzukommen, auf die sich die schweizerische und die europäischen Regierungen stützen und die diese Realität nur ungenügend widerspiegeln: Nur ein Teil der Arbeitslosen erscheint in den Statistiken. Selbst wenn diese «echten» Arbeitslosen, die die Chance haben, in einer Statistik zu erscheinen, den Überresten des Bildungsproletariates angehörten, das für die hochqualifizierten Arbeiten unerlässlich ist, ist das, was auf dem Spiel steht, nicht nur von wirtschaftlicher Bedeutung. Dies zeigen zum Beispiel die Einsatzprogramme für kurz vor der Pensionierung stehende Personen. Wie viele Gesellschaften so stützt sich auch unsere auf eine symbolische Ordnung, die unter anderem die Funktionen des Leugnens und der Kompensierung in Bezug auf die wirtschaftliche, politische und rechtliche Ordnung erfüllen. Das erklärt vielleicht den Eifer gegenüber der älteren Bevölkerung, die als noch potentionell berufstätig angesehen wird und die die verantwortlichen Behörden eher zum Kartenspielen zwingen, als sie unbeschäftigt zu lassen. Dies steht in krassem Gegensatz zu den vorherrschenden Wirtschaftsströmungen, die weniger gewinnbringenden Sektoren aufzuheben.;
.c1.Traverse möchte auf einige dieser Aspekte eingehen, indem es von der Gedankenfreiheit und der kritischen Distanz profitiert, welche die akademische Forschung kennzeichnen. Die AutorInnen der Artikel dieses Heftes versuchen zuerst die Realität zu erkennen, die durch die Verbreitung jener Lehren geprägt ist, welche in der Deregulierung die einzige Lösung für die gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme sehen. Das vor kurzem veröffentlichte Weissbuch gab einen präzisen Überblick der Lösungsvorschläge einiger schweizerischer Arbeitgeber (Privatisierung, Sozialabbau), während die Streikwelle in Frankreich Ende 1995 gezeigt hat, dass immer mehr Arbeitnehmer die neoliberale Medizin und ihre sogenannten automatischen und natürlichen Regulierungsformen in Frage stellen, welche sich durch das Kräftespiel des Marktes ausgleichen sollten. ;
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.c1.Jacqueline Milliet;