Thomas Hildbrand

Herrschaft, Schrift und Gedächtnis

Das Kloster Allerheiligen und sein Umgang mit Wissen in Wirtschaft, Recht und Archiv (11.–16. Jahrhundert)

10 Graphiken

1996. 461 S., 30 Abb. Geb. CHF 78.00 / EUR 44.00
ISBN 978-3-905311-93-8

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Kurztext

«Diese Urkunde soll ich auf Deutsch übersetzen, ganz so, dass sie unserem Kloster nützt.» Diese Anweisung, Ausdruck eines interessengeleiteten Umgangs mit Schriftstücken, wurde vor rund 500 Jahren auf eine lateinische Urkunde des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen geschrieben. Anfang der 1470er Jahre liess der Abt des Klosters im Prozess gegen die Stadt Schaffhausen von seinen Schreibern eine Klageschrift erstellen. In ihr sind alte Schriftstücke übersetzt, die belegen sollen, dass das Kloster die eigentliche Stadtherrin war. Die Beweismittel hierfür fand man im klösterlichen Archiv. Paradestück der Klageschrift war ein Privileg aus dem Jahr 1111. Dass es eine Fälschung, vermutlich aus der Zeit um 1180, war, zählte nicht. Wichtig war allein der Nutzen des Klosters.
«Herrschaft, Schrift und Gedächtnis» umreisst die Koordinaten, die vom 11. bis zum 16. Jahrhundert den Umgang mit Schrift prägten. In drei Zeitbereiche gegliedert stellt das Buch wesentliche Felder der herrschaftlichen Kommunikation vor. Die Aufmerksamkeit gilt der Frage, wie vor Gericht, im Archiv, auf der Landschaft, im Kloster oder gegenüber anderen Herrschaftsträgern Schrift verwendet wurde.
Die Antworten hierauf sind auch methodologisch bedeutsam; sie verändern unsere Kritikfähigkeit gegenüber den überlieferten Schriftstücken und belegen, wie wichtig die Diskussion um Schriftlichkeit ist. Im theoretischen Teil werden daher Grundsätze einer interdisziplinär erweiterten Quellenkritik entwickelt. Sie werden in den nächsten Jahren intensiv zu diskutieren sein.