Brigitte Studer (Hg.)

Sous l'œil de Moscou

Le Parti communiste suisse et l'internationale, 1931–1943

Archives de Jules Humbert–Droz, Band 5
1996. 912 S. Geb. CHF 168.00 / EUR 100.00
ISBN 978-3-905311-56-3

Lieferbar | in den Warenkorb

Kurztext

Jules Humbert-Droz, ehemaliger Pfarrer aus Neuenburg und Sekretär der kommunistischen Internationale, errichtete im Verlauf seiner politischen Aktivitäten eine der umfassendsten Sammlungen zur Arbeiterbewegung der Schweiz. Auch nach der Öffnung der Archive in Moskau behalten seine Dokumente ihren Wert. Sie zeigen das widersprüchliche Schicksal einer Existenz auf, die an fast allen bedeutenden Ereignissen der ersten Jahrhunderthälfte teilhatte.
Dieser abschliessende fünfte Band der Archive von Jules Humbert-Droz bezieht sich auf die dreissiger und die Kriegsjahre: Rezession und Arbeitslosigkeit, dann Kriegswirtschaft, Aufstieg des Nationalsozialismus und der Frontenbewegung, der Versuch eines konstitutionellen Revisionismus durch korporatistische Kräfte, der Integrationsprozess der sozialistischen Partei und des Gewerkschaftsbundes in die Schweizer Demokratie, die Volksfront in Frankreich, der Spanische Bürgerkrieg und die Prozesse in Moskau, der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt sowie das gesetzliche Verbot der kommunistischen Organisationen ...
Aber wie die politischen Rechte in der Schweiz verteidigen, wenn gleichzeitig die Repressionen in der Sowjetunion gebilligt werden? In diesen Widersprüchen gefangen, verliert die kommunistische Partei zwischen 1931 und 1939 zusehends ihre Anhänger und Wähler. Das Aufhellen im Jahre 1936 ist nur von kurzer Dauer.
Obwohl die politische Lage der KPS zunehmend schwieriger wird, verschafft ihr das Jahrzehnt trotzdem einige politische Erfolge: Im Spanischen Bürgerkrieg setzen sich die Kommunisten entschieden auf der Seite der Republikaner ein. Die propagandistischen Erfolge der Sowjetunion in einem von ökonomischer Flaute gezeichneten Europa beflügeln auch die KPS. Sie sind jedoch von kurzer Dauer, denn sie beruhen auf Täuschungen. Im einen wie im andern Fall ist die Realität in Wahrheit diejenige von Spaltungskämpfen, von blutiger Repression und Denunziationen. In einem geringeren Masse gilt das auch für die schweizerische kommunistische Partei. Das Innenleben der helvetischen Sektion der Komintern reproduziert bis zu einem gewissen Grad die sowjetischen «Sitten». Vor allem das Kader, aber auch die Aktivisten beschuldigen sich gegenseitig der ideologischen Abweichung und des politischen Verrats. Jules Humbert-Droz, der nicht ganz unbeteiligt an diesem Verhalten ist, bezahlt den politischen Preis. Kritisch gegenüber dem Vorgehen des sogenannten Sozialfaschismus im Jahre 1932 wird er von der Internationale abgesetzt, dann aber wieder an die Spitze der KPS befördert. Aber seit 1938 verliert er nach und nach seinen Einfluss auf Kosten des neuen Mannes von Moskau im Schosse der Schweizer Partei, Karl Hofmaier. Er wird 1943 ausgeschlossen, vermutlich durch den letztgenannten. Ebensosehr aus persönlicher Rache, aber auch um einen Mann auszuschalte, dessen Tätigkeit er als schädlich für die Interessen der Arbeiterbewegung betrachtet, beteiligt sich Humbert-Droz am Sturz Hofmaiers im Jahre 1947.
Die in diesem Band veröffentlichen Dokumente stellen die vielfältigen Ereignisse der Jahre 1931 bis 1943 dar, die Zweideutigkeiten der Epoche und ihrer Akteure. Darin finden sich auch viele Quellen, die man in den Archiven der Komintern nicht findet, vor allem was das Ende der dreissiger Jahre und den Zeitraum des Krieges betrifft, als der Postverkehr zwischen Zürich und Moskau schwieriger geworden war.