Christian Ritter

Postmigrantische Balkanbilder

Ästhetische Praxis und digitale Kommunikation im jugendkulturellen Alltag

Kulturwissenschaftliche Technikforschung, Band 8
2017. ca. 288 S., ca. 90 Farbabb. Geb. ca. CHF 48.00 / ca. EUR 48.00
ISBN 978-3-0340-1416-8

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Kurztext

Im Social Web inszenieren Jugendliche eine gemeinsame Herkunft aus den westlichen Balkanstaaten auf vielfältige und kreative Art. Dabei entstehen komplexe Fotografien und Collagenbilder. Über diese werden stereotype Zuschreibungen des «Balkanischen» verhandelt und vor dem Hintergrund von Jugendkultur und globaler Populärkultur mit neuen Bedeutungen überformt. Das postmigrantische «doing ethnicity» zeigt sich dabei als eine alltäg­liche soziale Ressource, die eingelassen ist in die Ästhetisierung der Gesellschaft.

Das Buch gibt Einblick in die Bild- und Medienwelten postmigrantischer Jugendkulturen im deutschsprachigen Europa, mit Schwergewicht auf der Schweiz. Anhand zahlreicher Beispiele aus dem Social Web wird gezeigt, wie Vorstellungen von Ethnizität und Herkunft im Umgang mit digitaler Fotografie und Online-Kommunikation angeeignet und verhandelt, aber auch reproduziert werden. Im Zentrum stehen die intermedialen Praktiken, mittels deren Symbole und Narrative aus ­jugend- und populärkulturellen Kontexten sowie aus den nationalen Diskursen der westlichen Balkanstaaten zu neuen, (audio-)visuellen Erzählungen des «Balkanisch-Seins» verwoben werden. Die Imagination eines trans­nationalen Balkans als Ort gemeinsamer Herkunft dient als Schablone für die Verhandlung alltäglicher Erfahrungen sozialer und kultureller Stigmatisierung, aber auch als Ressource für die soziale Positionierung im Freundeskreis und nicht zuletzt gegenüber der Mehrheitsgesellschaft. Das Buch lenkt den Blick auf die Ambivalenz von kreativer Anrufung und sozialer Ermächtigung, insbesondere in der Aneignung identitätspolitischer Diskurse.