Stefan Fuchs

Herrschaftswissen und Raumerfassung im 16. Jahrhundert

Karten und Landesaufnahmen im Dienste des Nürnberger Stadtstaates

Medienwandel – Medienwechsel – Medienwissen. ISSN 2504-1045, herausgegeben von Christian Kiening und Martina Stercken, Band 35
2018. ca. 300 S., ca. 34 Farbabb. Br. ca. CHF 48.00 / ca. EUR 48.00
ISBN 978-3-0340-1346-8

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Kurztext

An der Schwelle zur Neuzeit verbindet sich kartographische Gelehrsamkeit mit systematischer administrativer Raumerfassung. In den Fürstenspiegeln des 16. Jahrhunderts wird der Fürst als erster Kartograph seines Landes bezeichnet. Ein in Zahl und Bedeutung wachsender, zunehmend gebildeter Beamtenstand beginnt das Land, das jetzt zum ‹Territorium› wird, in all seinen Facetten zu beschreiben und zu kartieren.

Die Landeskarte verwandelt das Wissen der Kartographen in politische Macht. Kartographische Darstellungen und andere Formen der Landesaufnahme machen den geographischen Raum zu einem Möglichkeitsraum: Sie geben politischen Akteuren die wissenschaftlichen Mittel in die Hand, um den Raum und seine Bevölkerung zu erfassen, zu überwachen und nach ihren Vorstellungen umzuformen.
Wo liegen die Möglichkeiten und Grenzen der Kartographie als Mittel politischer Macht im 16. Jahrhundert? Welches sind die Anwendungsformen, in denen sich kartographische Gelehrsamkeit in dieser Frühzeit der Staatsbildung etablieren konnte, und wie wirkte sie selbst auf die Herrschaftsausübung zurück? Als Fallbeispiel dienen der Untersuchung hier die ersten Landesaufnahmen, die die Stadt Nürnberg von ihrem Territorium anfertigen liess. Die Reichsstadt war im 16. Jahrhundert nicht nur eines der europäischen Zentren wissenschaftlicher Kartographie, sondern auch Herrin über ein Landgebiet, von dem ab 1500 Beschreibungen, Karten und Geländeskizzen in rasch wachsender Anzahl erhalten sind. Die Analyse dieser Überlieferung ist von der These geleitet, dass dem Gebrauch von Kartographie in Herrschaft und Verwaltung konkrete Anwendungen erst erschlossen werden mussten, damit blosses ‹Wissen› zur ‹Macht› werden konnte. Vor allem im 16. Jahrhundert wurden Karten zu Werkzeugen der alltäglichen Herrschaftsausübung gemacht, als die sie heute so selbstverständlich verstanden werden.