Max Tobler

«Die Welt riss mich»

Aus der Jugend eines feinsinnigen Rebellen (1876–1929)

Herausgegeben mit einem Nachwort von Christian Hadorn

Schweizer Texte, Neue Folge, herausgegeben von Corinna Jäger-Trees, Dominik Müller, Mireille Schnyder, Hellmut Thomke, Peter Utz, Christian von Zimmermann, Band 45
2015. 376 S., 12 Abb. s/w. Geb. CHF 48.00 / EUR 46.00
ISBN 978-3-0340-1268-3

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Kurztext

Max Tobler, der in Vergessenheit geratene Freund des Arbeiterarztes Fritz Brupbacher, war einst eine populäre linke Integra­tionsfigur. Mitte der 1920er Jahre schrieb er mit der hier erstmals publizierten Autobiografie die wohl vielschichtigste Darstellung der abstinenten Jugendbewegung der Jahrhundertwende und ein unkonventionelles Bild seiner Zeit.
Der Sohn einer St. Galler Kaufmannsfamilie erzählt, wie seine Ablösung vom strengen Vater in der abstinenten Jugendbewegung in eine Rebellion gegen die «Gesellschaft der Väter» umschlug. Die 1890 am dortigen Gymnasium gegründete Bewegung breitete sich rasch aus. An den Universitäten grenzten sich ihre Anhänger – Tobler als angehender Zoologe – von den Verbindungsstudenten ab und bekannten sich zusammen mit Studenten und Studentinnen aus Osteuropa zum Kampf für eine freiere und gerechtere Gesellschaft. 1902 reiste Tobler nach England, um seine unsteten Lebenspläne zu prüfen: Naturforscher in Indien, Schriftsteller oder Aktivist der Arbeiterbewegung? Angewidert von der Männerwelt des Empire, wählte er das Dritte. Damit bricht sein Text ab. Ein Nachwort des Herausgebers schliesst die Lücke.
Tobler spielte im sozialen Aufbruch und in den Streiks der 1900er Jahre unter anderem als Journalist eine wichtige Rolle, trat als Arzt und Ehemann der Ärztin Minna Christinger im Weltkrieg als konsequenter Kriegsgegner und in den 1920er Jahren als ungewöhnlicher Denker hervor, der sich zur Geschichte der Linken, der Geschlechter und des (Anti-)Kolonialismus äusserte, als andere schon leise von Kritik und Widerspruch Abstand genommen hatten.