Johanna Thali

Schauliteratur

Historische Formen und Funktionen literarischer Kommunikation in Text und Bild

Medienwandel – Medienwechsel – Medienwissen. ISSN 2504-1045, Band 20
2017. ca. 400 S., ca. 68 Abb. Br. ca. CHF 58.00 / ca. EUR 58.00
ISBN 978-3-0340-1020-7

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Kurztext

Zu den Rezeptionsformen mittelalterlicher Literatur gehört nicht nur das Lesen und Hören, sondern auch das «Schauen»: Das Bild ist wesentlicher Bestandteil der literarischen Kultur der Vormoderne. Fragt man nach seinen historischen Funktionen, so zeigt sich, dass es weit mehr ist als blosse «Illustration» zum Text. Die Reformulierung literarischer Themen im visuellen Medium setzt gegenüber der Texttradition eigene Akzente und verleiht so den Stoffen neue Bedeutungsdimensionen.

Die als Beitrag zur aktuellen Text-Bild-Forschung konzipierte Untersuchung widmet sich literarischen Sujets in der Wandmalerei spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Wohnbauten. Am Beispiel der Ausmalung der Burg Lichtenberg im Südtirol mit Szenen zur heldenepischen Erzählung «Laurin» sowie von Malereien in Luzerner Patrizierhäusern mit thematischen Parallelen zum weltlichen und geistlichen Spiel führen die Analysen exemplarisch vor, wie sich literarische Bildprogramme in ihren jeweiligen historischen, regionalen und soziokulturellen Kontexten «lesen» lassen. Dabei zeigt sich modellhaft, wie stark die literarische Kultur der Vormoderne in Symbiose mit ausserliterarischen Interessen lebt. Die Funktionalisierung literarischer Stoffe für identitätsstiftende, politische oder konfessionelle Zwecke bildet eine Konstante der produktiven Rezeption von Literatur im Bildmedium in den ganz unterschiedlichen Kontexten. Die Fallstudien werden durch einen umfassenden Überblick über die Text-Bild-Forschung zu literarischen Bildzeugnissen des deutschen Mittelalters abgerundet, der neben der Wandmalerei auch illustrierte Handschriften, Wandteppiche und andere Gebrauchsgegenstände mit einbezieht.