Bernhard Stettler (Hg.)

Joachim von Watt (Vadian): Die Grössere Chronik der Äbte

Abtei und Stadt St. Gallen im Hoch- und Spätmittelalter (1199–1491) aus reformatorischer Sicht

Bearbeitet von Bernhard Stettler

St. Galler Kultur und Geschichte, hg. vom Staatsarchiv St. Gallen und vom Historischen Verein des Kantons St. Gallen , Band 36
2010. 914 S. 2 Bde. Geb. CHF 98.00 / EUR 65.50
ISBN 978-3-0340-0980-5

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Kurztext

In den Jahren 1529–1531 verfasste der St. Galler Humanist, Reformator und Politiker Vadian eine Geschichte von Abtei und Stadt St. Gallen im Hoch- und Spätmittelalter (1199–1491). Im Blick hatte er den Wandel der Klosterstadt zu einer im Leinwandgewerbe zu Reichtum gekommenen, selbstbewussten Reichsstadt im Verlauf von rund 300 Jahren.
Am Anfang seiner Darstellung steht das Kloster in seinen reichsweiten Bezügen völlig im Vordergrund. Zu Ende des 14. Jahrhunderts tritt dann die Stadt vermehrt in Erscheinung, und in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts spielt sich ein Duell ab zwischen der wirtschaftsmächtigen Stadt und dem Kloster, das unter der Führung des umtriebigen Abts Ulrich Rösch aus einer klösterlichen Grundherrschaft in einen frühneuzeitlichen Fürstenstaat umgebaut wird. Es gelingt der Stadt nur ansatzweise, sich zu emanzipieren, und im sogenannten Rorschacher Klosterbruch, einem Gewaltakt gegen die Klosterherrschaft, erleidet sie eine schmerzhafte Zurücksetzung. 1529, da ein Durchbruch im Gefolge der Reformation nun doch noch möglich scheint (die Stadt besetzte das stillgelegte Kloster und erwarb es schliesslich durch Kauf), hat Vadian seine Abtei- und Stadtgeschichte unter hochgespannten Erwartungen begonnen. 1531, nach der Niederlage der Reformation im zweiten eidgenössischen Konfessionskrieg, der für St. Gallen einschneidende Folgen zeitigte (das Kloster und die Klosterherrschaft wurden vollumfänglich wiederhergestellt), schloss er sein Werk unter Weglassung der Teile von vor 1191 sowie des Schlussteils nach 1491 entmutigt ab. In den 1540er Jahren hat er die Abtei- und Stadtgeschichte als Beitrag zu Johannes Stumpfs Schweizerchronik in zurückhaltenderer Form und unter Konzentration auf den lokalen Bereich neu angepackt und vollumfänglich (720–1530) dargestellt.
Die Neuedition bringt eine buchstabengetreue Transkription von Ms. 43 der Vadianischen Sammlung samt Kommentar, in dem Vadians Quellen nachgewiesen werden. In einer Einleitung werden die Umstände der Entstehung, die Geschichtsauffassung und die Arbeitsweise des Autors erörtert sowie das Nachleben seines Werks. Beigegeben sind ein detailliertes Register und ein ausführliches Glossar.