Christoph Maria Merki

Wirtschaftswunder Liechtenstein

Die rasche Modernisierung einer kleinen Volkswirtschaft im 20. Jahrhundert

2007. 342 S., 49 Abb. 12 Grafiken Geb. CHF 48.00 / EUR 29.90
ISBN 978-3-0340-0883-9

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Kurztext

Das Fürstentum Liechtenstein erlebte im 20. Jahrhundert ein phänomenales Wirtschafts­wachstum. Aus einem von der Landwirtschaft geprägten Ländchen wurde in wenigen Jahr­zehnten ein hochindustrialisierter Kleinstaat. Noch in den 1920er Jahren war die Wertschöp­fung Liech­ten­steins 25 Prozent niedriger als im Nachbarland Schweiz. In den 1960er Jahren wurde aus diesem Rückstand ein Vorsprung, der mittlerweile auf 35 Prozent ange­wach­sen ist. Die Produktionsleistung pro Erwerbstä­ti­gen ist so hoch wie nirgendwo sonst. Bis in die Zwi­schenkriegszeit hinein mussten arme Liechtensteiner im Aus­land Arbeit suchen. Heute ist die Situation umgekehrt: Tag für Tag pendeln Tausende von Schweizern und Österreichern nach Liechtenstein, um dort in Banken und Industriebetrieben zu arbeiten. Der liech­ten­­stei­­ni­sche Staat war noch in den 1920er Jahren hoch verschuldet, heute verfügt er stattdessen über ein Re­servepolster, das dem Doppelten seiner Jahreseinnahmen entspricht.
In seinem Buch untersucht Christoph Maria Merki die Gründe für den enormen Entwick­lungssprung. Entscheidend für den erstaun­li­chen Erfolg Liechtensteins waren zwei Stra­tegien, die beide mit der Eigenstaatlichkeit des win­zi­gen Territoriums zu tun hat­ten: das Out­sourcing staatlicher Auf­ga­ben und die Kommer­ziali­sie­rung seiner Souveränität. Verschiedene Auf­gaben konnte das Fürstentum in meist vor­teil­haften Verträgen an seine Nachbarstaaten auslagern, so die mili­tä­ri­sche Si­cher­heit, den über­re­­gio­na­len Verkehr oder die tertiäre Bil­dung. Zum anderen be­nutzte Liech­ten­stein seine Exis­tenz als Staat dazu, ausländischen Interessenten Dinge an­zu­bie­ten, die anderswo nicht vorhan­den, kaum zu er­hal­ten oder schlicht unverkäuflich wa­ren. So kauften ausländi­sche Sammler liech­ten­steinische Brief­marken und finanzierten damit einen erkleckli­chen Teil des Staats­haus­­halts. Der gleichen Lo­gik entsprang der Verkauf liechten­steinischer Pässe an reiche Flücht­linge in den 1930er Jahren. Besonders erfolgreich war das Land mit seiner Steuer- und Han­delspolitik. Eine niedrige Gesellschaftssteuer machte es zu einem attraktiven Domizil für aus­ländisch beherrschte Sitzunternehmen. Ein spezielles Han­delsrecht kam jenen Auslän­dern ent­gegen, die sich nach Gestaltungsspielraum, Anonymi­tät und Si­cher­­heit sehnten.