Andrea Westermann

Plastik und politische Kultur in Westdeutschland

Interferenzen – Studien zur Kulturgeschichte der Technik, Band 13
2007. 392 S., 24 Abb. Br. CHF 58.00 / EUR 38.00
ISBN 978-3-0340-0849-5

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Kurztext

Polyvinylchlorid (PVC), der erste vollsynthetische thermoplastische Kunststoff, wurde in den 1930er Jahren von der IG Farbenindustrie AG entwickelt. Seine Herstellung und Verwendung läutete in den 1950er Jahren die massenhafte Ankunft von Plastik in Westdeutschland ein. Seit Mitte der 1960er Jahre stand PVC immer wieder als Gesundheits- und Umweltproblem in der Kritik.
Die vorliegende Studie zeichnet die wechselvolle Karriere des Kunststoffs nach. Sie beleuchtet die wissenschaftlichen und politischen Dynamiken, die zur großindustriellen PVC-Produktion führten. Sie geht ins späte 19. Jahrhundert zurück, um die Professionsmentalität der frühen Kunststoffforscher sowie die traditionellen gesellschaftlichen Zuschreibungen an Kunststoffe und Surrogate zu rekonstruieren. Die Anstrengungen der Fachleute nach 1945, sich und ihre Produkte von den Verstrickungen in die nationalsozialistische Kriegswirtschaft zu distanzieren, werden ebenso einer Analyse unterzogen wie die technisch-
organisatorischen Anpassungen an einen Massenmarkt. Die integrative Funktion von Plastik für die entstehende bundesdeutsche Verbraucherdemokratie wird anhand des privaten und Öffentlichen Kunststoffgebrauchs erschlossen. Eine Fallstudie über Berufskrankheiten in der PVC-Herstellung schlägt schliesslich den Bogen in die 1970er Jahre. Die damalige Kritik an PVC zeigt einen Wandel der politischen Kultur an. Die verbraucherdemokratischen Werte standen erneut zur Debatte.
Alle Kapitel analysieren ein für Westdeutschland typisches Spannungsverhältnis: das Verhältnis von technisch-ökonomischem zu gesellschaftlich-politischem Wandel. Das Buch illustriert und reflektiert den Vorteil, diesen Zusammenhang
technikhistorisch zu fassen.