Christian Folini

Katharinental und Töss

Zwei mystische Zentren in sozialgeschichtlicher Perspektive

2007. 400 S. Geb. CHF 68.00 / EUR 44.80
ISBN 978-3-0340-0841-9

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Kurztext

Als der Bau des Klosters St. Katharinental bei Diessenhofen 1242 in Angriff genommen wurde, konnte niemand ahnen, dass in den auf vierzig Nonnen angelegten Bauten alsbald 150 Schwestern leben könnten. Verheiratete Frauen suchten mit ihren Töchtern in Scharen um Aufnahme. Ihre Ehemänner - darunter verdiente Notablen aus umliegenden Städten - errichteten ausserhalb der Klostermauern eigene Häuser, die sie später dem Kloster übergaben. Von Beginn weg wurde in Katharinental - aber auch in Töss - eine eigene Form weiblicher Mystik gepflegt. Sie verlieh den beiden Klöstern eine besondere Strahlkraft, stellte die Gemeinschaften aber auch vor innere Zerreissproben. Die Verwandten und Freunde der Frauen spielten von Beginn weg eine wichtige Rolle. In Töss und Katharinental sind sie besonders gut zu fassen, wodurch die Verflechtung zweier spätmittelalterlicher Dominikanerinnenkonvente mit der umliegenden Gesellschaft erschlossen werden kann. Die Klöster boten in der Verwaltung mehreren unter Druck geratenen Ministerialen eine neue Karrierechance. Die Adligen wussten diese zu nutzen. Gezielt erarbeiteten die Konvente mit ihrer Hilfe ein geschlossenes Territorium und stellten den Kontakt zu den wichtigsten Familien und Institutionen von Zürich bis Konstanz her. Der Mystiker Heinrich Seuse lebte als Seelsorger in Töss und auch von Meister Eckhart wird gesagt, er habe sich heimlich am Beichtfenster mit Schwester Anna von Ramschwag unterhalten. Die Gründungsgeschichte und die Schwesternbücher, das berühmte Graduale aus St. Katharinental, die in verschiedenen Museen liegende reiche liturgische Ausstattung sowie der Totenrodel, über tausend Urkunden, Urbare und andere Schriftstücke lassen die lebendige Welt der beiden Klöster vor unseren Augen auferstehen. Die konzise Aufarbeitung der Sozialgeschichte dieser beiden Klöster erfüllt ein schon lange von Theologie und Literaturwissenschaft formuliertes Desiderat.