Sabine Schreiber

Hirschfeld, Strauss, Malinsky

Jüdisches Leben in St. Gallen 1803 bis 1933

Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in der Schweiz. Schriftenreihe des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, Band 11
2006. 404 S., 67 Abb. s/w. Geb. CHF 48.00 / EUR 32.00
ISBN 978-3-0340-0777-1

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Kurztext

«Palästina Unser» so titelte der zwanzigjährige Samuel Teitler im Mai 1920 seinen Eintrag im Protokollbuch der «Zionistischen Ortsgruppe St. Gallen». Der vieldeutigen Überschrift folgte ein Text, der die Euphorie unter den zionistischen Jüdinnen und Juden angesichts der neuesten politischen Entwicklungen widerspiegelt: Endlich hatten sich die Alliierten über die Aufteilung der arabischen Provinzen der Türkei geeinigt, die Gründung eines eigenen jüdischen Staates schien in greifbarer Nähe. Angehörige der «Israelitischen Kultusgemeinde St. Gallen» hingegen reagierten eher abwehrend auf die Neuordnung in Palästina. Unterschiede innerhalb der kleinen jüdischen Gemeinschaft in St. Gallen zeigten sich aber nicht nur in den politischen Positionen. Trotz oder gerade wegen dieser Spannungen und Abgrenzungen entwickelte sich ein vielfältiges jüdisches Leben.
Das Buch beschreibt die Emanzipationsgeschichte seit der Kantonsgründung 1803. Es schildert die verschiedenen Etappen jüdischer Migration aus Westeuropa und den Vereinigten Staaten und seit der Jahrhundertwende aus Osteuropa nach St. Gallen. Diese unterschiedliche Herkunft war einer von mehreren Gründen, dass sich zwei jüdische Gemeinschaften bildeten: Die eine westeuropäisch orientiert, die andere geprägt vom Alltag und den Erfahrungen aus Russland und Galizien. Erzählt wird aber nicht nur die Geschichte zweier jüdischer Gemeinden. Geschildert werden auch familiäre Verbindungen, berufliche Netzwerke und einzelne Firmengeschichten. Die Stadt St. Gallen, ein wichtiges Zentrum der Textilindustrie, bot vor allem im Bereich von Handel und Fabrikation Arbeits- und Lebensmöglichkeiten. «Reichenbach & Co.», «Hirschfeld & Co., «Gebrüder Iklé» oder «Einstein und Hirsch» waren bekannte, international tätige Textilfirmen, der Ruf des Stoff- und Modegeschäftes «Alex Fride» reichte weit über die Schweizer Grenze hinaus.
Weitere Themen sind Aktivitäten im Feld der sozialen Wohlfahrt, in Kultur und Politik. So werden Verbindungen zu anderen jüdischen Gemeinden, zum Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund sowie persönliche Beziehungen sichtbar.
Das reich bebilderte Buch gibt einen tiefen Einblick in ein bisher unbekanntes Stück Stadtgeschichte und öffnet neue Perspektiven auf die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz.