Peter Stulz, Dominic Kaegi, Enno Rudolph (Hg.)

Philosophie und Medizin

2006. 180 S., 4 Abb. Br. CHF 38.00 / EUR 24.80
ISBN 978-3-0340-0759-7

Vergriffen

Kurztext

Im Mittelpunkt der ureigenen Kompetenz der Philosophie steht das Nachdenken des Menschen über sich und die Welt. Dies gilt auch für die Akteure der Medizin und ihrer Welt. «iatrós philósophos isótheos» – der Arzt, der Philosoph wird (und nach Lebensweisheit strebt), wird einem Gott gleich – schrieb der Urvater der Heilkunde, Hippokrates. Galen, ein weiterer Urvater der Medizin, stellt eines seiner Traktate unter den Titel «Quod optimus medicus sit quoque philosophus» – dass der vorzügliche Arzt auch Philosoph sein muss. Er verlieh damit seiner Überzeugung Ausdruck, die Medizin könne nur in enger Verbindung mit der Philosophie sachgemäss betrieben werden, indem die Philosophie der Medizin den theoretischen Rahmen und das methodische Rüstzeug liefert.
In den letzten 200 Jahren hat sich ein bedeutender Wandel vollzogen: Die Medizin hat sich aus dem ursprünglichen philosophisch-spekulativen Bezug gelöst und in einer grossen Euphorie den Naturwissenschaften zugewandt. Gleichzeitig war für die Philosophie mit der «Ausklammerung» der leiblichen Dimension des Menschseins die Bahn frei, sich zu einer rein geisteswissenschaftlichen Disziplin in hermetischer Abgeschlossenheit zu entwickeln. In beiden Disziplinen sind Defizite einseitiger Spezialisierung zum Problem geworden. Die weltfremd gewordene Philosophie kann dem Menschen nicht mehr geben, was ihm die naturwissenschaftliche Medizin schuldig bleibt.
Heute jedoch vollziehen Philosophie und Medizin eine Entwicklung. Die Medizin mit ihren scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten zur Verlängerung des Lebens, zur Genmanipulation, zur «Machbarkeit» des Menschen, zur Erzeugung artübergreifender Chimären lässt Fragen aufkommen, die sie selbst nicht mehr beantworten kann. Sie fordert damit ein sensibilisiertes, philosophisches Allgemeinbewusstsein geradezu heraus und bringt die gegenseitige Abhängigkeit zu Bewusstsein.